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By Friedhelm Lövenich

Die intellektuellen Verfallszeiten überholter, aber im politischen Raum und gesellschaftlichen Bewußtsein noch strahlender Traditionen sind offenbar lang und bedrohen Generationen; die aus der Vergangenheit mit Energie versorgte Strahlkraft solchen Geschichtsmülls wird ausgelöst durch die inflammation der modernen Gegenwart. Der Konservatismus setzt nicht, wie der Sozialismus, auf die Hoffnung der Unterdrückten auf ein besseres Leben, auf die imaginative and prescient und Utopie, sondern auf das Leiden an der Moderne, auf den oft unbewußten Schmerz der durch die Moderne Verletzten, die sich nach ihrer scheinbaren traditionellen Unmiuelbarkeitzurücksehnen; denn der Schein von Unmittelbar­ keit integriert gründlicher und umfassender als die Aufforderung zur Reflexion. Die konservative wie die sozialistische Kritik am Liberalismus und seiner Gesellschaftstheorie ist Resultat einer permanenten weil strukturellen Krise der bürgerlichen Gesellschaft selbst (vgl. Pankoke 1969: 9); die daraus aufkonser­ vativer Seite resultierenden 'neuen' konservativen 'sozialen Theorien' haben daher den typischen Charakterzug, zugleich Ausdruck einer Krise und Versuch einer Lösung durch Kritik und Entwurf zu sein, haben additionally Symptomcharakter. Riehls konservative Gesellschaftstheorie ist ein solches Symptom und wird hier so ' gelesen'; an hand von Riehls Theorie wird ein prominentes und immer noch gültiges Muster konservativer Vergesellschaftung dargestellt. Die examine sei­ ner Schriften ist eine 'Falldarstellung' für die Theorie bürgerlicher Integration, und daher immer auch 'nur' ein Beispiel, ein zugleich typischer und origineller, individueller 'Fall'.

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Treitschke argumentiert im Rahmen des Dreiecks Riehl-von Stein-von Mohl gegen alle drei als 'Soziologen', also gegen die 'Ursprünge der deutschen Gesellschaftslehre'; er besitzt dabei jedoch nicht Riehls soziales Fingerspitzengefühl: seinen kulturgeschichtlich und volkskundlich ausgerichteten Blick, der ihm die Gesellschaftsstruktur stärker zu Gesicht gebracht hätte, sondern ist allein an politischer Geschichte orientiert und damit von vornherein auf den Staat und seine Aktionen fixiert. Dieser national-politische Standpunkt läßt ihn die Unterschiede innnerhalb der Gesellschaft eines Staates - und damit die Notwendigkeit von 'sozialer Politik' - gegenüber dem Unterschied zu anderen Staaten als marginal erscheinen (Treitschke 1859: 750).

Offenbar nehmen die oder jedenfalls viele Zeitgenossen Riehls Volksschilderungen für bare Münze; denn gelobt wird allerorten "das großartige reflektierende Beobachtungstalent, jene Erfassung des Charakteristischen und das feine Nachfühlen aller zarten Kulturbeziehungen, auf denen der Ruf des Verfassers beruht" (Blätter 1871: 521). Das gilt auch für Jacob Grimm, wenn er lobt, daß "Riehl in seinem schönen buche von den Pfälzern, in welchen er fränkisches und alemannisches blut, doch mit vorgewicht des ersten, gemischt fmdet und absondert", treffend differenziert (Grimm 1859: 318).

Anstelle dieses Mangels an direkter Resonanz mögen die Rezensionen in den populären Blättern, den Zeitschriften für das breitere Lesepublikum stehen, die ja vom Geschmack ihres Publikums, genau wie heute, leben und somit auf diesen wirtschaftliche Rücksicht zu nehmen haben. Gelobt wird dort "Riehls feingeschriebenes, geistreiches, aus konkreter Beobachtung hervorgegangenes Buch" (Blätter 1853: 313); gemeint ist hier ausgerechnet 'Land und Leute', nicht etwa die noch annehmbare 'Bürgerliche Gesellschaft'.

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